Gehe in Frieden, Salem Aleikum

Genau wie die Produktion der Juno hat Hersteller Reemtsma im vergangenen Jahr die der Marke Salem No. 6 eingestellt. Im vergangenen Jahr hatte die Hamburger Firma (gehört zum britischen Konzern Imperial Tobacco) mitgeteilt, beide genannten Marken sowie Eckstein No. 5 in Reval aufgehen lassen.

Dies bedeutet einen Markentod nach rund 130 Jahren. 1886 hatte die Zigarettenfirma Yenidze in Deutschlands damaliger Tabakhauptstadt Dresden mit der Produktion von Orientzigaretten begonnen. Zur Markenfamilie Salem Aleikum Cigaretten – mit Grundstoff aus dem Osmanischen Reich und Bezug aufs arabische „Friede sei mit euch“ – gehörte die filterlose Salem No. 6. Yenidze wurde 1925 von Reemtsma übernommen, zwischenzeitlich war eine „Tabakmoschee“ gleichen Namens erbaut worden, die Netzwerk Rauchen zur Prüfung als Weltkulturerbe vorgeschlagen hat. Das Verschwinden der Marke kommt zur Unzeit, angesichts der vielen (rauchenden) Flüchtlinge aus dem arabischen Raum…

Salem No. 6 trat schon vor über 100 Jahren als Pionier der Kinowerbung auf und unterhielt 1933 sowie in der ersten Hälfte der 1950er Jahre Schaubuden auf dem Münchner Oktoberfest. Zur Anbiederung der Tabakindustrie an das den Rauchern negativ gesonnene Nazi-Regime produzierte man einschlägige Sammelbilderalben, die damals reißenden Absatz fanden. „‚Der Kampf ums Dritte Reich‘ […] wurde, obwohl nach den Morden während des sog. ‚Röhm-Putsch‘ 1934 eine Reihe von Bildern ausgetauscht werden mussten, ein großer Erfolg für die Firma.“

Ein Werbespot für die Marke aus dem Jahr 1952 beweist eindrücklich, dass man damals nicht nur gegenüber dem Rauchen entspannter dachte. No risk, no fun.

Übrigens gab es auch in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) beziehungsweise dann in der DDR eine Marke gleichen Namens – die Dresdner Tabaktradition fortführend. Die Varianten Salem gelb und Salem rot – filterlos wie ihre westliches Pendant – sollen besonders bei Malochern beliebt gewesen sein. „Der Mann von Welt raucht Salem Gelb“ sagte man, da im realen Sozialismus auch die Reime knapp waren.

Eine dritte Salem ganz anderer Art wird seit 60 Jahren in den USA produziert: Der Tabakkonzern RJR hat nach seinem Hauptsitz Winston-Salem nicht nur die Winston, sondern auch die Salem benannt. (Man stelle sich vor, ein einschlägiges Unternehmen säße in Wanne-Eickel.) Bei der amerikanischen Salem handelt es sich im Gegensatz zur deutschen um eine Filterzigarette, und zwar eine mit Menthol. In den 1970ern hat z.B. Schauspieler Tom Selleck („Magnum“) dieses Produkt beworben.

Zur Vermeidung von Verwechslungen wird sie in Deutschland als Reyno vertrieben (von Japan Tobacco International), Hauptabnehmer war bis letztes Jahr Helmut Schmidt. Der große Altkanzler soll sich zu Lebezeiten angeblich noch einen Riesenvorrat dieser Marke angelegt haben, um dem Mentholtabak-Verbot durch die EU-Tabakproduktrichtlinie zu entgehen. Während andere Aromastoffe bereits seit diesem Mai nicht mehr bei der Herstellung vieler Tabakprodukte verwendet werden dürfe, besteht für Mentholzigaretten eine Übergangsfrist bis 2020. Dann wird auch Reyno verschwinden…

Keine dieser Marken hat mit dem Internat „Schloss Salem“ am Bodensee zu tun, einer elitären Institution, an der ganz andere Sitten herrschen: Dort „kann man von den ‚Vertrauensschülern‘ (denen kaum einer vertraut) extra Tischdienst aufgebrummt bekommen (zb durch Rauchen ohne ‚Raucherpass‘, selbst wenn man über 18 ist).“ Ob unter den Antreibern der heutigen Bevormundungspolitik solche ehemalige „Vertrauensschüler“ sind?

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